Reiner Deutschmann - Stark für die Oberlausitz in Berlin

Kürzungsforderungen im Kulturbereich ernst nehmen

Letzte Woche forderten die vier Autoren des Buchs "Der Kulturinfarkt" im Spiegel die Schließung der Hälfte aller Theater, Museen und Bibliotheken, um der Geldnot im Kultursektor zu begegnen. Diese pauschale Forderung wäre in dieser platten Form eigentlich keiner Diskussion wert. Trotzdem muss man den Artikel und das dazugehörige Buch ernst nehmen, denn diese Thesen sind jetzt in der Welt. Man kann sich sehr lebhaft vorstellen, welches Echo sie in so mancher Landesregierung bzw. in Stadt? und Gemeinderäten finden werden. Ich setze mich dafür ein, dass sich der Kulturausschuss des Deutschen Bundestages für eine entsprechende Diskussion die notwendige Zeit nimmt, um nicht aus dem Bauch heraus, sondern aufgrund tatsächlicher Fakten zu entscheiden, ob und gegebenenfalls in welchem Umfang es Änderungen im Bereich der Kulturförderinstrumente geben sollte.

Um Fehldeutungen durch den provokanten Artikel zu vermeiden, müssen die Förderungen in den einzelnen Ebenen im richtigen Lichte dargestellt werden. Sicher gibt es den weit verbreiteten Reflex, sobald von Kürzungen in der Kultur gesprochen wird, diese sofort abzulehnen, ohne Ziel und Wirkung von Förderungen näher zu betrachten. Da wurden ohne Zweifel in der Vergangenheit auf allen Ebenen Fehler gemacht. Es geht nicht darum, Besitzstände um jeden Preis zu verteidigen. Wir müssen uns aber klar machen, was für eine Kulturlandschaft wir in Deutschland wollen. Wer die Axt an der Kulturförderung anlegt, dem muss bewusst sein, was er alles gefährdet.

Als Kulturnation sind wir zurecht stolz auf eine Kulturdichte, die weltweit ihres Gleichen sucht. Ich denke, die Stärke der Kultur in Deutschland ist auch der Grund, warum Deutschland insgesamt, d.h. auch wirtschaftlich so gut dasteht. Kultur ist schließlich gelebte Kreativität. Letztlich wird Deutschland nur durch Kreativität, also durch Ideen, weiter gut in der Welt dastehen können. Das ist unser Kapital, das wir gerade durch die Förderung der Kultur pflegen und mehren müssen.

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Sonntag, 19. Mai 2013